Selbstverständnis

Es geschieht aus heiterem Himmel: Sie sollen plötzlich umdenken, sich einer nie dagewesenen Situation stellen, eine Entscheidung treffen, deren Tragweite und Bedeutung sie nicht überschauen. Sie Verzweifeln an der Überfülle der Dinge, die sich aufdrängen und alle eine Rolle spielen wollen bei ihrer Entscheidung oder in ihrem zukünftigen Leben. Oder ist ihnen die Leere, die sich angesichts eines drohenden oder schon erlittenen Verlustes vor ihnen auftut, unheimlich, beängstigend? Sie beginnen, sich existentielle Fragen zu stellen. Sie scheinen vor dem Nichts zu stehen, an einem Scheideweg vielleicht, es gelingt ihnen nicht, eine klare Entscheidung zu treffen. Die Gedanken kreisen beständig um den gleichen Gegenstand ohne Aussicht auf Einsicht, auf eine Perspektive.

Wie gelähmt können sie nur noch die Dinge auf sich zukommen sehen, sie meinen, langsam die Kontrolle zu verlieren. Solche Zustände kennen wir alle. Es gibt kein Leben voller Geradlinigkeit und Eindeutigkeit. Weder die eigene Vernunft noch Ideologien oder Religionen können uns so an die Hand nehmen, dass keine Fragen bleiben, dass die Unsicherheit verschwindet. Daran kann man verzweifeln, man kann krank werden an Leib und Seele.

Wer krank ist, geht zum Arzt, um seine Beschwerden behandeln zu lassen. Die ärztliche Kunst ist von unschätzbarem Wert, sie vermag zu lindern und zu heilen. Und doch hat sie ihre Grenzen. Ärzte wissen in der Regel sehr gut um diese Grenzen, sind sich ihrer Ratlosigkeit bewusst und bemerken häufig, wann sie mit ihrer Kunst am Ende sind. Sie bemerken auch, wenn ihr Repertoire an Arzneien oder Therapien den Kern eines Problems nicht trifft. Sie als Patient bemerken es dann auch, bekommen vielleicht das Gefühl, dass ihnen nicht geholfen werden kann, dass sie allein sind mit ihren Nöten, Befürchtungen oder mit den stetig kreisenden Gedanken.

Suchen sie nach einer Alternative? Erwarten sie keine Heilung, erhoffen sie keinen Ratschlag. Ihr eigenes Denken hat das Potential, aus dem ermüdenden und verzweifelten Umhersuchen und -kreisen herauszufinden. Vielleicht ist ihnen die Kenntnis dieses Potentials abhanden gekommen, sie trauen sich das nicht zu?

An diesem Punkt möchten wir gemeinsam mit ihnen ansetzen. Die Philosophie bietet mit ihren Methoden und mit ihrem reichen Erfahrungsschatz eine gute Grundlage, ihrem Denken auf die Sprünge zu helfen. Eigentlich wissen sie, dass Trennungen immer auch Chancen bergen, dass Entscheidungen, die ihnen abverlangt werden, gar nicht die Bedeutung haben, die man ihnen weismacht, dass es bei ihnen liegt, ob sie sich über etwas freuen können oder nicht, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Jeder von uns kann dieses Wissen praktisch werden lassen. Wir vertrauen auf die Möglichkeiten des Gesprächs, des Fragenstellens. Fragen zu stellen, muss nicht immer heißen, Antworten zu suchen oder finden zu wollen. Fragen zu stellen ist die Methode der Philosophie, um dem Denken eine neue Richtung zu geben.

Wir versprechen ihnen keine vorgefertigten Antworten. Wir versprechen ihnen keine Lösung all ihrer Probleme. Wir sind keine Sekte. In einem bekannten Motivationsbuch wird davon gesprochen, dass jeder von uns seinen bestimmte Zweck der Existenz finden muss, dann würde er im Einklang mit sich selbst, quasi wie in einem positiven Rausch, intensiv und ekstatisch leben. Wir halten diesen Anspruch für uneinlösbar und gefährlich.

Die Auswahl und Auflagen an Selbstfindungsliteratur steigt und steigt. Wenn diese Bücher und Kurse tatsächlich ihre vorgegebenen Ziele einhalten würden, sollte die Zahl ihrer Konsumenten eher sinken. Wer „geheilt“ ist, der bräuchte schließlich keine Ratgeber mehr. Aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein, die Zahl der Menschen die sich mit ihren ungeklärten Lebensfragen beschäftigen steigt weiter an. Wir wollen nicht solche Ratgeber sein, die ihnen mit einer angeblich ganz neuen Erkenntnis auf ganz neue Wege führen können. Unser Studium der Philosophie hat uns gezeigt, dass es diesen allein selig machenden Weg nicht geben kann. Jeder Verheißung eines solchen hat die Menschen in die Irre und ins Unglück geführt.

Aber die Philosophie kann etwas anderes. Sie hilft uns, unser Leben und unsere Probleme in einem größeren und allgemeinen Rahmen zu sehen, zu erkennen, dass viele Probleme nicht meine Probleme, sondern Probleme des Menschen an sich sind. Und das man diese Probleme und Fragen vielleicht nicht endgültig lösen, aber dass man sie bearbeiten kann. Wenn wir Entlastung, Linderung und Trost finden, haben wir viel erreicht.

Um zu sich selbst und zu den Dingen auf Abstand zu gehen, um Bedeutungen, Zuschreibungen und Handlungsmuster zu erkennen, um die eigene Existenz in einem anderen Licht, im Spiegel der Menschheitsfragen zu sehen, bedarf es manchmal der Hilfe. Wir laden sie zu einem Versuch ein. Nicht als Patient, der geduldig abwarten muss, ob die verordnete Therapie anschlägt sondern als Gast. Gemeinsames Tätigwerden im Denken, angetrieben von einem Gespräch auf Augenhöhe, inspiriert vom philosophischen Fragen und Wissen der Menschheitsgeschichte.

Lernen sie uns kennen und schreiben Sie uns an kontakt@philosophische-praxis-dresden.de